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Berlin „umme“

bln mit Fernsehturm

Auf Berlinerisch heißt gratis oder umsonst tatsächlich „umme“

In der Hauptstadt können viele Highlights gratis genossen werden

Den Ruf, eine besonders preiswerte Destination für einen Stadturlaub zu sein, ist Berlin längst quitt. Wie in jeder Metropole müssen Gäste beim Trip in die Hauptstadt längst mit stattlichen Nebenkosten rechnen. Aber nach wie vor ist einiges, was für Berlin-Gäste besonders interessant ist, kostenlos zu haben – vom Reichstagsgebäude bis zur Philharmonie. Selbst für die Fanmeile vor dem Brandenburger Tor während der Fußball-EM wird kein Eintritt verlangt.

Dass Gäste das Wahrzeichen der Hauptstadt, das Brandenburger Tor, durchschreiten dürfen, ohne dafür einen Obolus zu zahlen, versteht sich von selbst. Aber auch ein zweites Wahrzeichen der Stadt, das Reichstagsgebäude, dürfen sie besichtigen, ohne zu zahlen. Für die berühmte Kuppel und die Dachterrasse wird kein Eintritt verlangt. Von dort können die Berlin-Reisenden zwar nicht den Bundestags-Mitgliedern auf die Finger schauen, aber einen Weitblick über Berlin genießen, den man getrost atemberaubend nennen darf. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich – entweder online über www.bundestag.de/besuche/kuppel-dachterrasseunddachgartenrestaurant oder spontan und persönlich beim Besucherdienst in der Nähe des Reichstagsgebäudes.

brandenburger tor berlin
Brandenburger Tor

Ohne Voranmeldung…

…gelangen Berlin-Besucherinnen und -Besucher in das dritte, noch recht neue Wahrzeichen der Stadt: ins Humboldt-Forum, dem wieder errichteten Stadtschloss. Gratis sind (außer Dienstag, da sind sie geschlossen) das dort untergebrachte Ethnologische Museum, das Museum für Asiatische Kunst, Schlosskeller und Skulpturensaal zu besichtigen. Für einige der vielen Ausstellungen in dem weitläufigen Gebäudekomplex wird Eintritt verlangt.

Apropos weitläufig: 450 Fußballfelder groß ist das Tempelhofer Feld, wie das Freigelände des Flughafens Tempelhof heute heißt. Ohne auch nur einen Cent Eintritt zu zahlen, können Berlin-Touristen auf diesem riesigen Freizeitgelände Spazieren gehen oder Rad fahren, joggen oder Ball spielen, skaten, kiten oder einfach nur auf einer Decke faulenzen.

Humboldtforum berlin
Berliner Humboldt-Forum

Klein und idyllisch

Viel kleiner, nämlich nur 15 Fußballfelder groß ist die idyllische Domäne Dahlem, die ökologische Landwirtschaft betreibt. Ein Spaziergang entlang der Wiesen und Weiden, der Äcker und Felder des Landguts lässt die Hektik und Anstrengungen vergessen, die ein Städtetrip zwangsläufig mit sich bringt. Auch hier wird kein Eintritt erhoben. Aber das Museum des Landguts, das den Weg unserer Lebensmittel vom Acker bis auf den Teller darstellt, gewährt nur am Museumssonntag – dem ersten Sonntag im Monat – freien Eintritt.

Dahlem berlin
Domäne Dahlem

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Freier Eintritt

Das gilt für fast alle Museen der Stadt: Am Museumssonntag wird kein Eintritt verlangt. Die staatlichen Museen lassen Kinder und Heranwachsende, die noch nicht volljährig sind, jeden Tag (außer an den Schließtagen Montag und neuerdings auch Dienstag) gratis in ihre Sammlungen. Überraschend groß ist die Liste der Museen, die nie und von niemandem Eintritt verlangen – eine bunte Mischung vom Alliierten-Museum im früheren US-Sektor an der Clayallee über den Deutschen Dom am Gendarmenmarkt mit der Ausstellung „Wege, Irrwege, Umwege“ des Deutschen Bundestags bis zu Schinkels Friedrichswerderschen Kirche mit einer Sammlung feinster Skulpturen aus dem 19. Jahrhundert.

Deutscher dom berlin
Gendarmenmarkt

East Side Gallery, Wrangelschlösschen und Bearpit Karaoke

Die East Side Gallery bietet selbstredend gratis eine gigantische Gemäldeshow auf einem 1,3 Kilometer langen Reststück der Mauer. Hier haben sich nach dem Fall der Mauer 118 Künstler aus 21 Ländern verewigt. Das berühmteste aller Bilder ist der „Bruderkuss“ von Dmitri Vrubel, das den sozialistischen Bruderkuss zwischen Breschnew und Honecker zeigt. Auch das Anti-Kriegsmuseum in Berlin-Mitte mit einem original Luftschutzbunker kann gratis besichtigt werden, ebenso das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Es liegt dort, wo früher diverse NS-Terrororganisationen wie Gestapo, Sicherheitsdienst der SS oder das Reichsicherungshauptamt ihren grausamen Geschäften nachgingen.

In dieser – keineswegs vollständigen – Aufstellung der Ausstellungen, die gratis besucht werden können, sollte das Gutshaus Steglitz nicht fehlen, das auch als „Wrangelschlösschen“ bekannt ist. Dort finden interessante Ausstellungen statt, derzeit bis Ende September eine Picasso-Ausstellung mit 60 Papierarbeiten. Auch wer Musik liebt, kommt bei dieser Gratistour nicht zu kurz. Da ist zuerst einmal das Carillon, ein 42 Meter hoher Glockenturm. Wenn im Sommer an Sonntagnachmittagen seine 42 Glocken zu ergreifenden Konzerten erklingen, können dazu keine Tickets verkauft werden, denn der Glockenturm steht frei im Tiergarten.

Mitreißend und ebenfalls gratis ist ein Musikereignis, das im Sommer an jedem Sonntagnachmittag im Amphitheater des Mauerparks im Bezirk Prenzlauer Berg zelebriert wird: Bearpit Karaoke. Seit 15 Jahren animiert Joe Hatchiban mit seinem fahrbares Soundsystem Besucherinnen und Besucher zum Mitsingen. Es gehört zur Tradition des Events, dass die Wagemutigen vom Publikum frenetisch unterstützt werden – ganz gleich, wie gut oder wie schräg ihr Karaoke-Gesang ist.

Gallary Berlin
East Side Gallery

Berliner Philharmonie

Auch in die heiligen Hallen der klassischen Musik gelangen Hauptstadt-Touristinnen und -Touristen kostenlos – in die Philharmonie. Jeden Mittwoch um 13 Uhr finden im Foyer des markanten Gebäudes Lunchtimekonzerte statt. Mitglieder der Berliner Philharmoniker und der Karajan Akademie, aber auch Gäste anderer Orchester und Berliner Musikhochschulen bieten Konzerte auf Weltklassenniveau, die 40 bis 50 Minuten dauern. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Aber die Zuhörerzahl ist begrenzt und es gibt nur für Besitzer eines Behindertenausweises einige wenige Sitzplätze.

Berliner Philharmonie Tag
Berliner Philharmonie
Berlin Schmelztigel

Berlin in Zahlen

Hättest Du es gewusst?

Die deutsche Hauptstadt ist ein Schmelztiegel. Von den fast 3,9 Millionen Bewohnern stammt knapp jeder vierte aus dem Ausland. Insgesamt sind 190 Nationen vertreten. Zwölf Bezirke verteilen sich auf fast 900 Quadratkilometer – auf eine Fläche also, auf der das Olympiastadion (über den Daumen gepeilt) 12.000-mal Platz hätte. Für jährlich etwa 12 Millionen Gäste (2023) stehen 145.000 Betten zur Verfügung. In diese Zahlen sind Besuche bei Freunden und Verwandten nicht eingeschlossen. Besucherinnen und Besucher haben die Auswahl unter 170 Museen und täglich zwischen 1.500 und 2.000 Events, Kinovorführungen nicht mitgerechnet.

Kuppel_Berlin

Auch das gibt's

Gratis geführt

Ein halbes Dutzend Stadtführungen durch Berlin werden von verschiedenen Organisationen gratis angeboten (aber am Ende wird von den Guides ein „anständiges“, d.h. saftiges Trinkgeld erwartet). So startet Berlin Free Tours jeden Tag um 11 Uhr an der Ostseite des Brandenburger Tors eine kostenlose, zweistündige Führung auf Deutsch durch Berlin-Mitte. Führungen auf Englisch werden gleich fünfmal angeboten, und zwar um 10, 11, 12, 14 und 16 Uhr. Die Guides sind an ihren roten T-Shirts und roten Regenschirmen zu erkennen.

Auch wenn ChatGPT oder andere KI-Quellen kostenlose geführte Radtouren auflisten: Sie gibt es nicht. Wer sich allerdings die App Going Local von visitBerlin auf sein Handy lädt, findet eine Menge Radtouren, die auf eigene Faust zu unternehmen sind – hervorragend und sehr informativ aufbereitet und natürlich kostenlos.

Oberdeck

Nicht nur in London

Berlin vom Oberdeck

Gut, wer weder ein Deutschlandticket noch eine WelcomeCard besitzt, muss als Berlin Gast für die Fahrten ein Ticket zahlen – genießt bei der Fahrt mit den 100-er und 200-er-Bussen aber vom Oberdeck aus eine dann eine kostenlose Sightseeing-Tour vom Feinsten. Beide Linien fahren vom Bahnhof Zoo im 10-Minuten-Takt zum Alexanderplatz, dies aber auf verschiedenen Routen. Der Bus 100 passiert den Großen Stern, das Reichstagsgebäude, das Brandenburger Tot, den Boulevard Unter den Linden und die Museumsinsel. Der 200-er Bus fährt die Strecke Philharmonie-Potsdamer Platz- Nikolaiviertel-Rotes Rathaus. Deshalb empfiehlt es sich, für die Rückfahrt die Linie zu wechseln.

Autor: Horst Schwartz

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