Category: solaMoments
Portugal: Dreigeteiltes Urlaubsland: Algarve, Lissabon und Porto mit dem Fluss Douro
Jeder Gast wählt sein eigenes Portugal
Wenn drei Urlauber über Portugal sprechen, kann es sein, dass jeder ein anderes Portugal meint. Der eine schwärmt von den Traumstränden der Algarve im Süden. Der nächste erinnert sich an den unvergesslichen Städteurlaub in der brodelnden Hauptstadt Lissabon. Und der dritte denkt an den Norden mit Porto, an das Douro-Tal und köstlichen Wein. Statistiker haben sogar errechnet, wie sich die Portugal-Kundschaft aufteilt. 30 bis 35 Prozent aller internationalen Touristen entscheiden sich für das Badeziel Algarve. Die Belegung ist stark saisonabhängig, im Sommer ist so mancher Strand extrem voll. 25 bis 30 Prozent genießen Stadt- und Kultururlaub in Lissabon oder kommen als Kreuzfahrttouristen in die Stadt, die ganzjährig als Destination beliebt ist. Den Norden mit Porto und dem Douro wählen 15 bis 20 Prozent zum Ziel, dies mit steigender Tendenz. Etwa 17,8 Millionen internationale Gäste wurde im Vorjahr auf dem portugiesischen Festland registriert, also ohne die florierende Destination Madeira und die Azoren. Davon kamen 1,2 bis 1,25 Millionen Touristen aus Deutschland, das sind etwa ebenso viele Deutsche, wie Malta oder Zypern zum Ziel gewählt haben.
Ausflug zum Ende der Welt
200 Kilometer Atlantikküste, das ist die Strecke von Frankfurt/Main bis Stuttgart, bietet die Algarve ihren Gästen – goldene Sandstrände, unvergesslich bizarre Felsformationen, malerische Fischerdörfer und lebhafte Ferienorte und Städtchen. Steilklippen prägen das Bild im Westen. lange Sandstrände und auch flache Lagunen im Osten der Algarve. Verwaltungszentrum mit internationalem Flughafen ist Faro, das ebenso eine historische Altstadt besitzt wie das Urlaubsstädtchen Lagos. Lebhaft geht es an den Stränden und im Nachtleben von Albufeira zu, wo normalerweise knapp 50.000 Einheimische wohnen. Im Sommer schwillt die Zahl auf mehrere Hunderttausend an. Wesentlich ruhiger geht es in Tavira zu, ohne Zweifel mit der charmanten Altstadt einer der schönsten Orte der Algarve.
Wer nicht nur in der Sonne braten will, findet an der Algarve spannende Ausflugsziele, z.B. die Gruta de Benagil, die Benagil-Höhle. Das ist eine der spektakulärsten Meeresgrotten Europas, in der Sonnenlicht durch ein großes rundes Loch in der Decke einfällt. 20 Meter hoch ragen die goldfarbenen Kalksteinfelsen an der Landzunge Ponta da Piedade aus dem Meer. Bizarre Felsbögen bieten sich als Fotomotiv an. Ganz anders präsentiert sich Ria Formosa, ein 60 Kilometer langes Lagunensystem. Statt Felsen prägen hier Lagunen, Sandinseln und Salzwiesen sowie schöne Strände das Landschaftsbild. Der Naturpark ist wichtiges Rast- und Brutgebiet für viele Vogelarten, darunter Flamingos, Löffler und zahlreiche andere Wasservögel. Fast jeder Algarve-Urlauber macht einen Ausflug zum Cabo de São Vicente, den südwestlichsten Punkt Portugals mit 75 Meter hohen Steilklippen und seinem berühmten Leuchtturm. Besucher verstehen, warum frühere Generationen davon überzeugt waren, dass sich hier das Ende der Welt befand. Ebenso lässt sich nachvollziehen, warum sich passionierte Golfer an der Algarve wie im Paradies fühlen: Die Region ist mit über 30 Golfplätzen gespickt.
Hauptstadt auf sieben Hügeln
Auf und ab geht’s für Urlauber in der Hauptstadt Lissabon. Denn diese liegt auf sieben Hügeln. Auch die gelbe Straßenbahn – allen voran die historische Tram-Linie 28, so etwas wie eine Pflichtfahrt für jeden Besucher – muss so manche Steilstrecke überwinden. Aufzüge wie der historische Elevador de Santa Justa bringen Gäste zu markanten Aussichtspunkten, die Ausblicke auf den Fluss, die 2,3 Kilometer lange Hängebrücke Ponte 25 de Abril und die engen Gassen der Altstadtviertel erlauben. Besonders schön ist der Panoramablick von der mittelalterlichen Burg Castelo de São Jorge auf dem höchsten der sieben Hügel. Das Leben in Lissabon, übrigens eine der ältesten Städte in Europa, läuft lässiger ab, als es eine Stadt mit 570.000 Bewohnern erwarten lässt. Über allem liegt ein Hauch von mediterranem Flair; dazu tragen auch die vielen originellen Restaurants und Cafés und die Azulejos bei, die bunten Kachelfassaden der traditionellen Häuser. Am ursprünglichsten hat sich Alfama, das älteste der Stadtviertel, erhalten. Hier können Besucher in kleinen Lokalen noch den Fado erleben, den melancholischen portugiesischen Gesang.
Belém
Besonders geschichtsträchtig ist das Viertel Bélem mit all seinen Sehenswürdigkeiten. Hier erinnert der 30 Meter hohe Torre de Belém an die Blütezeit der portugiesischen Entdeckerfahrten. Der reich verzierte Wachturm wurde im 16. Jahrhundert unter König Manuel I. im sogenannten manuelischem Stil errichtet, einer gefälligen Mischung aus später Gotik, ersten Einflüssen der Renaissance und Motiven aus Seefahrt und Natur. Dieser Baustil prägt auch das das ausgesprochen prachtvolle, riesige Kloster Mosteiro dos Jerónimos. Beide Gebäude stehen unter UNESCO-Welterbeschutz. Kaum ein Lissabon-Tourist lässt es sich nehmen, nach deren Besichtigung eines der berühmtesten Cafés der Welt zu besuchen, das Café Pastéis de Belém. In seinen historischen Räumen werden seit 1837 die ebenso berühmten Puddingtörtchen nach Geheimrezept gebacken und serviert.
Ausflugsziele in der Nähe Lissabons
Als hätte Lissabon nicht schon mehr als genug zu bieten, liegen noch zwei attraktive Ausflugsziele vor der Haustür. Das eine ist in 30 Kilometer Entfernung der elegante Küstenort Cascais mit Jachthafen, Promenade, Parks, Sandstränden und pulsierender Altstadt. In gut 20 Kilometer Entfernung liegt Sintra, mit all seinen Palästen einst Sommerresidenz der portugiesischen Könige und ihrer Entourage. Zwei markante weiße Schornsteine zieren den früheren Königspalast, den Palácio Nacional de Sintra. Wahrzeichen der Stadt ist der Palácio Nacional da Pena, der im 19. Jahrhundert in einem fantastischen Stilgemisch aus neugotischen, maurischen, manuelinischen und Renaissance-Elementen für die Königsfamilie errichtet wurde. Mit leuchtend gelben und roten Fassaden thront das Schloss 500 Meter über der Stadt.
Portos berühmte Brücke stammt nicht von Eiffel
Die markante Eisenbahnbrücke Ponte Dom Luís I, die zweistöckig den Douro überspannt, ist das Wahrzeichen von Porto. Sie wird immer wieder Gustave Eiffel zugeschrieben. Aber sie wurde 1886 von Théophile Seyrig entworfen, einem seiner früheren Mitarbeiter. Die zweitgrößte Stadt Portugals, in der 235.000 Bewohner leben, liegt im Norden des Landes malerisch an der Mündung des Douro in den Atlantik. Das Altstadtviertel Ribeira, das auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste steht, zählen Vielgereiste zu den schönsten von ganz Europa. Steile Straßen, enge Gassen und wieder bunte Hausfassaden mit kunstvoll bemalten Azulejos prägen das Stadtbild. Selbst Kirchen und Bahnhöfe sind mit Kacheln geschmückt. Insgesamt wirkt die Stadt gelassener und authentischer als die Hauptstadt. In den letzten Jahren hat sich in Porto eine lebendige Kreativszene mit Galerien, einem regen Kulturleben und exzellenter Gastronomie angesiedelt. Ein kleiner Wermutstropfen: In Porto regnet es häufiger als in Lissabon.
Unser Tipp für Porto
Ein atemberaubendes Stilgemisch prägt wieder die Kathedrale der Stadt: Die Fassade aus dem 11. Jahrhundert ist romanisch, der Kreuzgang gotisch und der prächtige Hochaltar barock. Nur im Rahmen einer Führung kann der Palácio da Bolsa, der Börsenpalast aus dem 19, Jahrhundert mit all seinen Sälen besichtigt werden. Der Alhambra in Granada ist der prachtvollste Saal nachempfunden, der Arabische Saal. Tipp: Unbedingt sollte auch die benachbarten Kirche des heiligen Franziskus, die schlichte gotische Igreja de São Francisco, besichtigt werden. Im Inneren überrascht sie mit einer überwältigenden barocken Vergoldung. 75 Meter hoch überragt der Torre dos Clérigos, der barocke Turm der Kleriker von 1763 alle Bauten der Stadt. Wer die 225 engen Stufen bis zur Aussichtsplattform schafft, wird mit einem unvergesslichen Rundblick über Porto und den Douro bis zur Atlantikküste belohnt.
Der Douro
Der Douro hat bis zum Atlantik eine 897 Kilometer lange Strecke hinter sich. Er entspringt in Spanien, durchfließt Nordspanien, bildet auf 213 Kilometern den Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal und legt die schönste Strecke von 112 Kilometern in Portugal zurück. Dort ist er auf weiten Strecken schiffbar; nicht nur Tagesfahrten, sondern auch mehrtägige Flusskreuzfahrten werden ab Porto angeboten. Das Douro-Tal mit seinen steilen, terrassenförmigen Weinbergen ist eines der ältesten Weinbaugebieten der Welt. Hier werden nicht nur Weiß-, Rot- und Roséweine angebaut, sondern auch der berühmte Portwein. Ausflüge zu den Quintas, den Weingütern entlang des Tales, mit üppigen Weinproben sind bei Urlaubern besonders begehrt.
Religion
Maria machte Fátima berühmt
Es war am 13. Mai 1917, als die Jungfrau Maria drei Hirtenkindern bei Fátima erschien, einer Kleinstadt in der Mitte Portugals. Bis zum 13. Oktober geschah das noch weitere fünfmal. Zudem wollen Zehntausende Menschen an ihrem letzten Erscheinungstag das „Sonnenwunder“ erlebt haben: Die Sonne drehte sich am Himmel, änderte ihre Farbe und bewegte sich auf die Erde zu. Beide Ereignisse machen Fátima zu einem der weltweit bedeutendsten Wallfahrtsorte der Katholiken mit vier bis sechs Millionen Besuchern im Jahr.
Tradition (1)
Stierkampf light
Auch in Portugal gibt es Stierkämpfe in historischen Arenen. Nur wird hier der Stier nicht getötet, sondern von acht Männern, den Forcados, im Angriff aufgehalten oder gar niedergerungen. Reitkunst spielt bei diesem Spektakel eine größere Rolle als der Kampf zu Fuß. Vom Pferd aus werden dem gestressten Stier Bandarilhas, Lanzen mit Widerhaken, in den Nacken gerammt. Deshalb ist auch der portugiesische Stierkampf umstritten, während die Befürworter Kultur und Tradition ins Feld führen.
Tradition (2)
Fado weckt Saudade
Liebe, Schicksal, Fernweh – das sind die Themen des Fado, des traditionellen portugiesischen Musikstils, der auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes steht. Äußerst gefühlvoll gesungen und von einer portugiesischen Gitarre mit zwölf Saiten sowie einer klassischen Gitarre begleitet, wecken Fado-Lieder Saudade – ein Gefühl, das am besten mit Sehnsucht, Wehmut, Melancholie, Schmerz und Schönheit zugleich umschrieben wird. Da kann es vorkommen, dass in einem der Fado-Häuser in Lissabon der Mann am Nebentisch zu weinen beginnt.
Autor: Horst Schwartz