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Category: solaMoments

Madeira – Urlaubsinsel auf drei Etagen

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Madeira bietet sich zum langsamen, genussvollen Reisen an

Wer an seinen Urlaub auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira zurückdenkt, hat drei völlig verschiedene Inseltypen vor Augen. Unten am Atlantik blühen Bougainvilleen vor schmuckvoll gekachelten Häusern. Weiter oben ziehen Nebelschwaden durch subtropischen Nebelwald, und Wanderer erkunden die Jahrhunderte alten Lebensadern, die Levadas. Ganz oben bieten ihm schroffe Berge unvergessliche Ausblicke.

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Ponta de São Lourenço

Genießen und Entschleunigen

Das alles können Urlauberinnen und Urlauber an einem Tag erleben. Aber das wäre schade, denn Madeira bietet sich wie kaum eine andere Feriendestination zum langsamen Reisen an, zum spontanen Anhalten, zum Genießen. Fahrten ins Blaue mit dem Mietwagen geraten zur überraschenden Entdeckungsreise – hinter der einen Kurve liegt ein noch recht idyllisches Dorf, hinter einer anderen ein sorgsam gepflegter Garten, hinter der dritten einer der kleinen, typischen Kuhställe der Insel. Die Fahrt führt durch grundverschiedene Landschaften, Klimazonen und Lebenswelten wie kleine Fischerdörfer und moderne Hotels. Oft liegen dazwischen nur wenige Kilometer.

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Blick von oben auf Wolken und Nebel

Nebel verwandelt die Landschaft

Auch das Wetter sorgt für Überraschungen. Es kann sich innerhalb weniger Minuten ändern. Sonne, Wolken und Nebel wechseln einander ab und lassen dieselbe Landschaft bei jeder Fahrt anders aussehen. Das gilt auch für Wanderungen – oder weniger zu empfehlende Autofahrten – durch den Laurisilva-Wald. Das ist ein uralter, immergrüner Lorbeerwald, wie er im Tertiär weite Teile Europas bedeckte. Heute ist er eine Rarität und gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Wenn ihn Nebel durchzieht, wirkt er geheimnisvoll – und man erwartet Märchen- und Sagengestalten, die hinter den Bäumen hervorspringen. 

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Märchenhaft: Die Levadas

Madeira ist kein typisches Badeziel

Madeira ist alles andere als ein typisches Badeziel. Die Küste ist vulkanisch und steil, es überwiegen Kiesel- und Steinstrände und sehr schöne natürliche Felsbäder. Im Schnitt sind die Strände nur etwa 100 Meter lang, einzig die Praia Formosa bei Funchal mit schwarzem Sand und Kiesel ist zwei Kilometer lang. Die Farbe von Kupfer hat der Vulkansand der kleinen Prainha-Beach bei Caniçal an der Ostküste, die als schönster Strand gilt. Wer klassischen Badeurlaub an weiten Stränden bevorzugt, sollte die kleine Nachbarinsel Porto Santo wählen.

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Blick in Richtung Küstenregion bei Camara de Lobos und Funchal

Die meisten Gäste kommen aus Deutschland

Madeira gehört zu Portugal. Die autonome Region, die rund 1.000 Kilometer und 90  Flugminuten vom portugiesischen Festland entfernt im Atlantik liegt, ist so groß wie die Baleareninsel Menorca. Auf ihr leben knapp 270.000 Bewohner, auf die pro Jahr 2,44 Millionen Gäste entfallen. Die meisten, knapp 20 Prozent, reisen aus Deutschland an. Das Tor zur Insel ist die Hauptstadt Funchal mit Hafen und Flughafen. Wie ein Amphitheater liegt sie am Hang zwischen Meer und Bergen. Sie ist eine lebendige Großstadt mit 108.00 Bewohnern und Magnet für jeden Madeira-Gast. Allein 500.000 Kreuzfahrt-Passagiere pro Jahr steigen im Hafen von Funchal an Land. Sie genießen vor allem die Altstadt mit ihren Gassen, bunten Haustüren, farbenfroh und kunstvoll gefliesten Fassaden, kleinen Plätzen, Geschäften, Kirchen, Cafés und Restaurants.

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Strohgedecktes Madeira-Haus

Strohgedeckte Madeira-Häuser

Auch wenn Urlauber auf Madeira kaum weltberühmte Attraktionen finden, lohnen sich einige Ausflugsziele oder Stopps bei Rundreisen. Nicht weit von Funchal entfernt liegt an der Südküste der alte Fischerort Câmara de Lobos, wo sich – nicht zuletzt wegen der bunten Boote im Hafen – ursprünglicher Madeira-Flair erhalten hat. In der Nähe liegt eine der höchsten Steilklippen Europas, Cabo Girão. Sie besitzt eine gläserne Aussichtsplattform hoch über dem Atlantik. Einen Stopp wert ist auch Ponta do Sol an der Südküste; das kleine  Küstendorf mit bunten Häusern ist beliebt für seine Sonnenuntergänge.

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Die berühmten Terrassenfelder am Fuße des Cabo Girão

Weitere Attraktionen auf der „Must-See-Liste“

Zur unvergesslichen Küstenwanderung lädt Ponta de São Lourenço ein, eine karge Vulkanhalbinsel im äußersten Osten der Insel. Sie unterscheidet sich mit ihrem wüstenartigen Charakter erheblich vom so grünen restlichen Madeira. In Santana  im Norden stehen die wohl meistfotografierten Objekte der Insel: die berühmten traditionellen Madeira-Häuser mit dreieckigen Strohdächern. Hinter dem Ort erhebt sich eine gewaltige Bergkulisse, sozusagen die dritte Etage Madeiras. Der Pico Ruivo, mit 1.862 Metern der höchste Berg Madeiras, ist von Santana aus gut erreichbar. Noch zwei weitere Attraktionen warten auf den Besuch eines jeden Madeira-Urlaubers. Zum einen der spektakulärer Küstenort Porto Moniz mit schwarzen Vulkanfelsen und natürlichen Meeresschwimmbecken, der etwa 50 Kilometer nordwestlich von Funchal liegt. Zum anderen der Monte Palace Tropical Garden. Das ist ein weitläufiger exotischer Garten mit tropischen Pflanzen, Teichen und Kunstwerken in Monte oberhalb von Funchal. Von dort gelangt man nicht nur mit den berühmten Korbschlitten ins Tal, sondern auch mit einer Seilbahn.

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Vulkanisch geprägte Landschaft Madeiras

Wanderung in der zweiten Etage

Vielleicht nicht gerade für den ersten Urlaub auf Madeira, aber für den zweiten oder dritten empfiehlt sich ein Ausflug in die zweite Etage der Insel. Dort liegen zwischen 100 und 1.500 Meter Höhe die Levadas genannten künstlich angelegten Wasserkanäle. Sie transportieren das Wasser aus den Bergen in die landwirtschaftlichen Regionen. Entlang der Levadas führen Wanderwege an den Berghängen vorbei und durch Täler, Schluchten und Wälder. Die bei Urlaubern beliebtesten Wege liegen auf Höhen zwischen 600 und 1.200 Metern. Es ist empfehlenswert, aber nicht Pflicht, sich einer geführten Gruppe oder einem Guide anzuschließen. Die Levadas haben ganz verschiedene Schwierigkeitsgrade, und jede hat ihren Reiz. Das ist für manchen Urlauber Grund genug, wiederzukommen. Untersuchungen nennen eine Wiederholerquote von 45 Prozent.

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Unvergessliche Wanderungen in Madeiras Bergen
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Wissenswert

Das Grab des Kaisers

Karl I., letzter Kaiser von Österreich und König von Ungarn, kam im November 1921 mit seiner Frau Zita ins Exil nach Madeira. Schon am 1. April des folgenden Jahres starb er an einer Lungenkrankheit und wurde im Ortsteil Monte von Funchal in der Kirche Nossa Senhora do Monte beigesetzt. Dort kann sein Grab in einer Seitenkapelle besucht werden. Es ist vor allem für katholische Pilger von Bedeutung, denn Karl I. wurde 2004 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

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Mal 'was verrücktes machen?

Talfahrt im Korb

Früher dienten sie den Einheimischen als Transportmittel zur Verfügung, heute sind sie Touristengaudi: die Körbe aus Weidengeflecht mit hölzernen Kufen, in denen jeweils zwei Personen in rasanter Fahrt von Monte zu Tal gebracht werden. Zwei weiß gekleidete Carreiros mit weißen Strohhüten schieben den Korb an, laufen die zwei Kilometer nebenher und steuern ihn sicher zum Ziel. Die aufregende Fahrt dauert zehn Minuten.

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Alternative zu Bergen und Levadas

Neun Kilometer Traumstrand

Ein größerer Kontrast als der zwischen Madeira und der Nachbarinsel Porto Santo lässt sich kaum vorstellen. Nach zweieinhalbstündiger Fährfahrt finden Besucher einen neun Kilometer langen Strand mit feinstem, goldgelben Sand. Porto Santo ist trocken, der höchste Hügel ist der 516 Meter hohe Pico do Facho. Im Museum von Porto Santo, der Casa Colombo, wird an Kolumbus erinnert. Der hat eine Zeitlang auf der Insel gelebt und der Überlieferung nach die Tochter des Insel-Gouverneurs geheiratet.

Autor: Horst Schwartz