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Category: solaMoments

Überwintern und Langzeiturlaub im Wandel

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Marktsegment Überwintern erschließt sich neue Zielgruppen 

Das Reisesegment Überwintern – korrekter als Langzeiturlaub bezeichnet – erlebt derzeit einen Imagewandel. Was lange als Angebot ausschließlich für Senioren galt, erschließt sich mit hohem Tempo neue Zielgruppen. Von Langzeiturlaub spricht man bei allen Reisen, die 21 Tage und mehr dauern – oft monatelang, manchmal den ganzen Winter über. Er etabliert sich zurzeit als Reiseform, die ganz unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedürfnissen entgegenkommt.

„Die klassische Zielgruppe sind weiterhin Best Ager und ältere Gäste, die flexibel reisen können und längere Aufenthalte in warmen Region bevorzugen“, stellt TUI-Sprecherin Anja Braun klar. Für diese Zielgruppe ist das Überwintern erfunden worden. In den 1960-er Jahren kamen die ersten Überwinterungsangebote für Rentner auf den Markt. Dahinter steckte die Idee der Hoteliers, ihr Haus nicht winterfest machen, das Hotel schließen und die Bediensteten entlassen zu müssen.

Die ältere Kundschaft greift die Idee immer noch gerne auf und genießt die Vorteile: Mehr Sonnenstunden beliefern sie mit mehr Vitamin D, der winterlichen Einsamkeit wird durch die Buchung vorgebeugt, „und die heutigen Wellness- und Fitnessangebote in den Hotels unterstützen Mobilität und Entspannung“, wie alltours-Pressesprecher Jens Völmicke betont. Also: „So wird der Winterurlaub nicht nur zu einer Auszeit, sondern zu einer Investition in die eigene Lebensqualität.“

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 „Ringelpietz mit Anfassen“

In den 1970er Jahren nahmen der Massentourismus und damit die Überwinterer-Angebote zu. Um die Gäste in halbleeren Hotels und „toten“ Ferienorten bei Laune zu halten, wurde vielerorts ein seichtes Unterhaltungsprogramm aufgelegt, von Reiseinspektoren der Stiftung Warentest als „eine Art Ringelpietz mit Anfassen“ bezeichnet. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wuchs das Angebot rasant – 2010 hatte alltours bereits 353 Hotels im Programm, in denen Gäste bis zu 12 Wochen bleiben konnten. Und das Freizeit- und Unterhaltungsangebot ließ kaum noch einen Wunsch offen: Wellness, Spa und Sauna, Fitness, Koch- und Sprachkurse.

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Neuer Trend: „Workation“

Das Blatt hat sich inzwischen gewandelt. „Langzeiturlaub steht heute für mehr als das klassische Überwintern im Süden“, betont die TUI-Sprecherin, „das Segment verbindet mehrere aktuelle Reisetrends: die Suche nach Wärme und Erholung, den Wunsch nach planbaren Kosten, längere Aufenthalte außerhalb der Hauptsaison und neue Arbeitsformen wie Workation“. Das bedeutet für Berufstätige: tagsüber arbeiten, zwischendurch einen Strandurlaub machen, gegen Abend ein erfrischendes Bad im Meer und gleichzeitig von allen Annehmlichkeiten eines Hotels profitieren. Gefragt, so die TUI, seien dabei „Hotels mit guter Infrastruktur, ausreichend Platz und verlässlichem Service“. Betriebe, die ihren Mitarbeitern das ermöglichen, „erwarten, dass die Kombination von Arbeit und Erholung die Produktivität steigert, Energie zurückgibt und für  kreative Impulse sorgt“, so alltours.

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Digitale Nomaden gehen auf die Langstrecke

Die digitalen Nomaden – aber bei weitem nicht nur diese – gehen zum „Überwintern“ auf die Langstrecke. Ihre Ziele sind beispielsweise Mauritius, Sri Lanka, Dominikanische Republik und vor allem Thailand. Kein Wunder: Das Land schießt mit 28 bis 32 Grad bei den Wintertemperaturen den Vogel ab. Die Liste der Destinationen auf der Mittelstrecke, in denen sich Langzeiturlaub etabliert hat, ist lang (ohne Verpflichtung zur Vollständigkeit): Ägypten, Tunesien und Marokko sind darauf zu finden, Portugal und Malta, die Türkische Riviera und Zypern. Spitzenplätze bei den Buchungen von 21 und mehr Übernachtungen nehmen spanische Ziele ein: die Costa del Sol, die Kanaren und vor allem Mallorca, das Geburtsland dieser Reiseform.

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Langzeiturlaub, den man sich leisten kann

Beim Thema Langzeiturlaub drehen die Reiseveranstalter tüchtig die Preisschraube nach unten. Einige, willkürlich ausgewählte Preisbeispiele: TUI bietet Türkei-Langzeitferien zu einem Preis von 300 Euro pro Woche an. Drei Wochen Tunesien gibt’s bei Dertour ab 915 Euro inklusive Flug. Im Angebot von Bentour Reisen finden sich 21 Nächte Türkei mit Flug, Transfer und All inclusive ab 1.011 Euro. Öger Tours/Anex, naturgemäß stark bei der Türkei, bietet 21 Tage Side für 960 Euro, auch hier inklusive Flug, Transfer und All inclusive. 

Die Kanaren sind bei alltours das wichtigste Winterziel im Programm. Besonders attraktiv werde das Angebot, so Jens Völmicke, wenn die gebotenen Preisvorteile mit Frühbucher- oder Best-Ager-Rabatten kombiniert werden können: „Dann sind Gesamtersparnisse von über 50 Prozent möglich.“ Völmicke spricht wohl für die ganze Branche, wenn er darauf hinweist, dass die Kombination von Ermäßigung und All-inclusive-Angebot für eine klare Kostenkontrolle sorgt: „Die Reisekasse bleibt auch bei längeren Aufenthalten planbar.“ Und: „Durch den verringerten Energieverbrauch zuhause lassen sich Heizkosten einsparen.“ Das ist bei der heutigen Kostenlage ein nicht zu unterschätzendes Argument.

Schlüssel an gute Nachbarn

Eine Langzeitreise will gut vorbereitet sein. Wichtigster Rat ist, einen Satz von Schlüssel-Kopien bei einer Vertrauensperson, z.B. dem guten Nachbarn, zu hinterlegen. Das gilt auch für Kopien von Ausweis, Versicherungsbelegen und anderen wichtigen Unterlagen. Ein paar Stolperfallen werden oft übersehen. So verlangen einige Reiseländer, dass der Reisepass noch einige Monate oder ein halbes Jahr nach dem Reisedatum gültig ist. Andere verbieten die Einfuhr einiger Medikamente. Deutsche und spanische Steckdosen sind kompatibel, aber die der meisten Reiseländer nicht. Ehe Langzeiturlauber in spe den schweren Föhn einpacken, sollte sie sich im Hotel erkundigen, ob nicht ein Föhn vorgehalten wird. Und Vielreisende wissen, dass der Koffer nicht vollgepackt werden sollte. Sie lassen etwa 20 Prozent frei – damit beim Überwintern gekaufte Kleidungsstücke oder Souvenirs bei der Rückreise genug Platz finden.

Autor: Horst Schwartz