Category: solaMoments
Ägypten – eine Urlaubswundertüte
Im Land der Pharaonen wird (fast) jeder Urlaubswunsch erfüllt
Das Urlaubsland Ägypten ist für jede Reiseberaterin und jeden Reiseberater ein Glücksfall. Wünscht ein Kundenpaar, irgendwo zu schnorcheln und ansonsten in der Sonne zu braten – ein Griff in die Wundertüte, und die herrlichsten Strände am Roten Meer sind zu buchen. Wüsten-Ausflüge oder eine romantische Nil-Kreuzfahrt findet ein Gast, der an Ruhe und Natur und herrlicher Landschaft interessiert ist. Kulturinteressierte werden mit Angeboten praktisch überschüttet: Pyramiden, Tempel, Königsgräber, Museen und vieles mehr finden sich in der Wundertüte. Es fehlen eigentlich nur Wintersport-Angebote. Kein Reisender muss sich für die eine oder andere Urlaubsart entscheiden: Alle Angebote können problemlos miteinander kombiniert werden. Und über allen liegt ein Hauch von Tausendundeine-nacht.
Kairo das Tor zu vielen Ägypten-Reisen
Schon der nahen Pyramiden wegen ist Kairo das Tor zu vielen Ägypten-Reisen. Die Hauptstadt mit ihren mehr als 10 Millionen Einwohnern – im Großraum Kairo wohnen sogar 20 bis 23 Millionen – ist ein Moloch, laut und hektisch. Neben allen uninteressanten Neubauvierteln ist das Islamische Kairo sehenswert, dort besonders der im 14. Jahrhundert gegründete Khan el-Khalili Basar. Ganz in der Nähe liegen die Al-Hussein-Moschee und die Al-Azhar-Moschee, zwei für die Ägypter bedeutende historische und religiöse Zentren. Etwa 85 Prozent der Landesbewohner sind Muslime, in deren Alltag Religion eine große Rolle spielt. Auch das Ägyptische Museum am Tahrir-Platz bleibt sehenswert, obwohl viele Exponate ins neue Grand Egyptian Museum in Gizeh abgewandert sind.
Es gibt in Ägypten auch einen starken Anteil koptischer Christen. Und so gehört auch das Koptische Kairo mit seinen vielen Kirchen zu jeder Stadtrundfahrt. Mit 15.000 Exponaten ist das Koptische Museum das weltweit größte Museum für koptische Kunst und Geschichte. Es zieht eine Million Besucher im Jahr an.
Gizeh: Pyramiden, Sphinx und GEM
Weitaus mehr bewundern die drei Pyramiden im nur 15 Kilometer vom Stadtzentrum Kairo entfernten Gizeh. Sie sind das einzige erhaltene der sieben Weltwunder. Die größte, die Cheops-Pyramide, ragt 146 Meter hoch in den Himmel. Sie wurde vor etwa 4.500 Jahren als Pharaonengrab errichtet, wie auch die Chephren- und die Mykerinos-Pyramide. Gizeh bietet noch mehr: Hier liegt die viel fotografierte Große Sphinx mit Löwenkörper und Menschenkopf. Seit kurzem ist hier endlich das Grand Egyptian Museum (GEM) eröffnet worden, an dem mit vielen Unterbrechungen über 20 Jahre gewerkelt wurde. Mit 100.000 Ausstellungsstücken – Mumien und Masken, Keramiken und Kunstwerke, Statuen und Sarkophage – ist es das größte archäologische Museum der Welt. Bedeutendste Attraktion ist der komplette Schatz des Pharao Tutanchamun, der 5.000 Exponate umfasst – darunter die berühmte Totenmaske aus 11 Kilo Gold.
„Das größte Freiluftmuseum der Welt“
Der Griff in die Wundertüte Ägypten fördert auch „das größte Freilichtmuseum der Welt“ zutage. So werden gerne die Attraktionen in und rund um Luxor bezeichnet. Die Region besitzt – auch wieder ein Rekord – weltweit die größte Dichte antiker Monumente. Luxor, das alte Theben, ist eine Stadt an den Ufern des Nils, etwa 670 Kilometer südlich von Kairo. Ihre Einwohnerzahl wird auf bis zu einer halben Million geschätzt. Am Ostufer des Flusses liegt das Stadtzentrum mit quirligen Souks und Märkten, dem Luxor-Museum mit sehenswerter alt-ägyptischer Sammlung und dem Luxor-Tempel. Er wird von zwei riesigen sitzenden Figuren von Ramses II. bewacht und sieht besonders eindrucksvoll und auch romantisch aus, wenn er allabendlich festlich beleuchtet wird. In der Tempelanlage steht übrigens eine Moschee, die heute noch in Betrieb ist.
Kundige, persönliche Beratung mit einem Klick
Luxor und Karnak
Eine drei Kilometer lange Prozessionsallee, die in den letzten Jahren nach und nach wieder freigelegt worden ist, führt vom Luxor- zum Karnak-Tempel. Das ist kein einzelner Tempel, sondern ein riesiger Sakralbezirk. Herz der Anlage ist die so genannte Hypostyl-Halle mit 134 Säulen, die bis zu 23 Meter hoch sind – also so hoch wie ein über siebenstöckiges Haus. Fremdenführer, die übrigens in Ägypten meist qualifiziert sind und verständlich Deutsch sprechen, versäumen nicht, Reisenden auf eine Kuriosität aufmerksam zu machen: Der Querschnitt einer der Säulen ist so groß, dass 100 Menschen darauf Platz fänden. Hypostyl bedeutet so viel wie „von vielen Säulen getragenes Dach“ – die Halle war tatsächlich in antiken Zeiten überdacht.
Wandgemälde, die Erholung brauchen
Am westlichen Nilufer, je nach Startpunkt 7 bis 14 Kilometer von Luxor entfernt, liegt das Tal der Könige. Das sind 60 Gräber von Pharaonen und bedeutenden Adeligen, von denen immer nur einige besichtigt werden dürfen, während sich die kostbaren Wandgemälde in den anderen von den Ausdünstungen der Besucherströme erholen. Meist führen absteigende, mitunter richtig steile Gänge hinunter zu den prunkvoll ausgemalten Grabkammern. In Sichtweite vom Tal der Könige liegt das Tal der Königinnen mit 90 Gräbern, die kleiner sind als die im Tal der Könige. Auch von diesen sind immer nur einige wenige zur Besichtigung freigegeben. Wer Glück hat, erwischt das Grab der Königin Nefertari, das wegen seiner gut erhalten und besonders farbigen Wandgemälde gerühmt wird.
Der Tempel der Pharaonin Hatschepsut
In nur einem Kilometer Luftlinie Entfernung vom Tal der Könige bestaunen Ägypten-Reisende eine Anlage, die sich architektonisch gehörig von den anderen Tempeln im Land unterscheidet: den Tempel der Pharaonin Hatschepsut. Er ist ein dreistufiger, langgestreckter Terrassenbau direkt unterhalb der Klippen- und zum Teil in sie hineingebaut – des Thebanischen Gebirges. Der Bau ist monumental, wirkt aber sehr harmonisch. Wer sich ihm zu Fuß nähert, kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass der schneeweiße Tempel alle paar Schritte seinen Charakter verändert.
Bestseller Nilkreuzfahrten
Etwa 300 Schiffe liegen am Nil vor Anker, um Touristen beispielsweise in drei oder vier Tagen von Luxor nach Assuan zu bringen – das Angebot reicht von schlichten Schiffen bis zu Luxuslinern. Die Nilkreuzfahrten sind Bestseller. Die Schiffe legen in entschleunigter Reise tagsüber an Sehenswürdigkeiten an, die an der Strecke liegen, z.B. an der Schleuse von Esna mit dem Chnum-Tempel oder in Edfu, wo Pferdekutschen die Gäste zum Horus-Tempel bringen. Er ist der besterhaltene Tempel Ägyptens, weil er jahrhundertelang im Nilschlamm verborgen war. Ein klassischer Stopp zwischen Edfu und Assuan ist der exakt spiegelgleich konstruierte Doppeltempel von Kom Ombu. Weniger schöne Aspekte der romantischen Nilreisen ist der meist große Andrang an Sehenswürdigkeiten, weil zahlreiche Schiffe zur gleichen Zeit anlegen, und dass zahlreiche Schiffe abends nebeneinander anlegen.
Abu Simbel
Von Assuan führt ein Tagesausflug mit Bussen oder per Inlandflug zu den berühmten Tempeln von Abu Simbel, die 280 Kilometer weiter südlich in der Wüste am Nassersee liegen. Als dieser in den 1960-er Jahren aufgestaut wurde, entschloss sich die UNESCO zu einer beispiellosen Rettungsaktion: Sie ließ den Ramses II. gewidmeten Großen Tempel und den seiner Gattin Nefertari gewidmeten Kleinen Tempel in 1.000 Blöcke schneiden und an einer trockenen Stelle 64 Meter höher wieder zusammensetzen. Den Großen Tempel bewachen vier Kolossalstatuen des sitzenden Ramses II., die 20 Meter hoch sind. Zweimal im Jahr – am 22. Februar und am 22. Oktober – fällt das Licht der aufgehenden Sonne in das Allerheiligste des Großen Tempels und beleuchtet wie Scheinwerfer die Statuen von Ramses II. und der Götter Amun-Re und Re-Harachte – nur die Statue des Gottes der Unterwelt, Pta, bleibt im Dunkeln.
Entspannung am Roten Meer
Diese Kombination kommt bei Ägypten-Reisenden gut an: Erst eine Woche Sightseeing oder Nilkreuzfahrt und dann eine Woche totale Entspannung am Roten Meer. Vom Fischerdorf zum touristischen Hotspot hat sich Hurghada gewandelt, heute die größte Ferienregion am Roten Meer. Die Hotel-Infrastruktur lässt keinen Wunsch unerfüllt. Schnorchler und Taucher finden hier gute Reviere.
Eine ähnliche Entwicklung hat Sharm el-Sheik an der Südspitze der Sinai-Halbinsel hinter sich, jetzt eine luxuriöse Feriendestination. In der Nähe liegt der Ras Mohammed Nationalpark. Das Naturschutzgebiet ist ein geradezu paradiesisches Ausflugsziel für Schnorchler, Taucher, und Naturliebhaber, in dem allein 250 Vogelarten heimisch sind.
Am Reißbrett ist El Gouna geplant worden, ein modernes und luxuriöses Ferien- und Wassersportresort. Es liegt 25 km nördlich von Hurghada und glänzt mit einer unübersehbar hochwertigen Infrastruktur: Golfplätze, Wellness-Resorts und Jachthäfen. Der Name Elgouna = die kleine Lagune ist Programm: zahlreiche Lagunen und Kanälen durchziehen das Resort.
Und da ist noch Marsa Alam, eine aufstrebende Urlaubs- und Tauchdestination 275 Kilometer südlich von Hurghada, in der es wesentlich ruhiger zugeht als in Hurghada oder Sharm el-Sheikh. Die Strände sind nicht überlaufen, teilweise sogar regelrecht einsam. Schnorchler und Taucher preisen die Korallenriffe der Region.
Insider-Tipps
Von Wüstencamp bis Krokodilmuseum
Insider können viele Tipps zu mehr oder weniger verstecken Sehenswürdigkeiten oder Erlebnissen geben. Eine kleine Auswahl: Eine Nacht im Wüstencamp unter Sternenhimmel wird unvergesslich bleiben. – Wer eine Fähre nimmt, um den Nil zu überqueren, lernt die Ägypter aus nächster Nähe kennen. Die Fähren z.B. in Luxor oder in Assuan fahren ständig und sind sehr preiswert. Es scheint Chaos zu herrschen, aber alles funktioniert wunderbar. – Deir el-Medina, das Dorf der Grabbauer und Künstler, die die Gräber im Tal der Könige und im Tal der Königinnen gebaut haben, liegt zwischen beiden Tälern und ist sehenswert, weil es Einblicke in die Alltagswelt der alten Ägypter bietet. Die Bewohner bauten für sich selbst kleine, aber kunstvolle und gut erhaltene Gräber. – Last but not least: Im Krokodilmuseum von Kom Ombo sind 20 mumifizierte Krokodile zu bewundern.
Insider-Tipps
Höflichkeit gefragt – und Trinkgeld!
Die Ägypter begegnen ihren Gästen herzlich, aber keineswegs unterwürfig. Ihre Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft scheint grenzenlos zu sein. Gästekinder sind hochwillkommen. Aber sie erwarten auch, dass sich die Gäste an Spielregeln halten. So sollten sie sich nicht nur in Moscheen sondern auch bei der Besichtigung von Tempeln angemessen kleiden. Das heißt im Klartext: Kurze Shorts, Hotpants, Miniröcke, bauchfreie Tops, tiefe Dekolletés oder gar durchsichtige Kleidung können dazu führen, dass das Sicherheitspersonal entsprechende Personen zurückweist. Schultern und möglichst auch Knie sollten bedeckt sein. Wer eine Person fotografieren möchte, sollte vorher fragen. Ein Lächeln kann Wunder bewirken. Militär und auch Polizei dürfen nicht fotografiert werden. Auch Handeln – nicht nur bei überteuerten Souvenirs – gehört zu den Spielregeln. Und überall und immer wird Bakschisch erwartet. Das ist keine Geldgier, sondern tief in der Kultur des Volkes verankert.
Autor: Horst Schwartz